Jüdisches Magazin für Politik und Kultur

rubriken: Jüdisches Leben
  • SCHLAGWöRTer: ,
  • ausgabe:  Benny Fischer | Nr. 65 (03/2016) - Elul 5776
  • Krav Maga in Wien

    René Wachtel im Gespräch mit Peter Winter, Krav-Maga-Instruktor.

    Peter Winter ist in der jüdischen Gemeinde in Wien eine bekannte Persönlichkeit. Er führt zusammen mit Partnern ein medizinisches Labor mit vielen Filialen in Wien und hat seinen festen Platz im Stadttempel. Seine Frau, Karin Maier-Winter, engagiert sich bei WIZO Österreich (Women’s International Zionist Organisation). Gemeinsam haben sie zwei Töchter. Die Wenigsten aber wissen, dass seine große Leidenschaft Krav Maga ist. Er ist Trainer im größten Studio in Österreich und hat den Level 6 erreicht, was einem schwarzen Gürtel im Judo, der höchstmöglichen Einstufung, entspricht. Peter Winter ist vor zwölf Jahren zu Krav Maga gekommen. In seiner Jugend hat er Judo trainiert.

    NU: Was macht die Faszination von Krav Maga aus?

    Winter: Krav Maga ist genaugenommen keine Kampfsportart, sondern reine Selbstverteidigung, muss aber nicht weniger hart trainiert werden. Es geht nicht primär um bestimmte feste Abläufe, sondern darum, sich situationsbedingt verteidigen zu können. Ein wichtiger Teil davon ist, bedrohliche Situationen richtig einschätzen zu können und die Reflexe zu schärfen. Vieles, was die Regeln von Kampfsportarten untersagen, ist bei Krav Maga unbedingt notwendig. Selbstverteidigung bedeutet, möglichst unverletzt zu überleben, und das, wenn erforderlich, mit allen Mitteln. Daher werden auch Alltagsgegenstände, wie Handy, Schlüssel, Zeitungen etc. in der Verteidigung eingesetzt.

    Können das auch ängstliche, zögerliche Menschen?

    Sich seinen Ängsten zu stellen und instinktiv richtig zu reagieren, ist ein wichtiger Teil der Schulung und hilft auch im täglichen Leben. Da ist auch viel Psychologie dabei. Es geht um situationsgerechte Einschätzungen: Wie deeskaliere ich eine Situation? Wann ist es klüger zu flüchten? („Einen Kampf, den du nicht führen musst, hast du immer gewonnen!“). Wann hingegen lässt sich eine Kampfsituation nicht vermeiden? Krav Maga stärkt auch die Selbstsicherheit. Und wer Selbstsicherheit ausstrahlt, wird von Kriminellen nicht so leicht als Opfer ausgesucht und angegriffen. Diese Art Prävention ist wahrscheinlich das wichtigste Element von Krav Maga.

    Wie und wie oft wird trainiert?

    Eine Trainingsstunde besteht aus zehn Minuten Aufwärmen, dann das Üben von Schritt- und Schlagtechniken und schließlich das Durchspielen von zahlreichen Grundsituationen (z.B. Festhalten am Arm, Schwitzkasten, Würgen von hinten) in Kombination mit Spezialtechniken. Mit einem Auspowern und einem Cool-down-Programm wird die Trainingsstunde beendet. Wir trainieren drei- bis viermal die Woche. In meinem Studio gibt es übrigens auch spezielle Kurse für Frauen und Kinder ab einem Alter von acht Jahren.

    René Wachtel

    René Wachtel

    lebt in Wien und ist Kultusrat für CHAJ-Jüdisches Leben in der IKG.
    René Wachtel

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