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Home Kultur

Ein Leben für die Musik

René Wachtel von René Wachtel
20. Oktober 2026
in Kultur, Porträt

Für Cornelius Obonya und Ethel Merhaut ist Bela Koreny ein Mentor. Jetzt feiert er seinen 80. Geburtstag. ©Obonya Merhaut Koreny

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Am 1. Juli feierte Bela Koreny seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlass fand im Theater Akzent eine bewegende Gala statt, organisiert von seinem Sohn Belush Korenyi. Zahlreiche Künstlerkolleginnen und -kollegen erwiesen dem Jubilar die Ehre.

Von René Wachtel

Geboren wurde Bela Koreny in Ungarn. Nach dem Ungarnaufstand 1956 floh er mit seinen Eltern nach Wien. Seine Familie lebte in Budapest, die Großmutter nahe der Grenze zu Österreich. Der Vater verdiente den Lebensunterhalt als Musiker in Tanzlokalen – oft nur mühsam. Während der NS-Zeit rettete er Belas Mutter vor der Deportation. Von dieser Familiengeschichte erfuhr Bela allerdings erst in den letzten Lebensjahren seiner Mutter. Zu dieser Zeit begann er, sich intensiver mit dem Judentum auseinanderzusetzen. Die Familie wohnte nach ihrer Ankunft in Wien in einer Flüchtlingswohnung im zweiten Bezirk. Auf seinem täglichen Weg zum Konservatorium kam Bela stets am Café Dogenhof in der Praterstraße vorbei. Dort saßen täglich jüdische Gäste, die den jungen Ungarn auf Getränke einluden. „Ich wurde immer auf eine Cola eingeladen. Ich, der arme ungarische Bursch, durfte eine Cola trinken.“ Im Dogenhof lernte Bela den jüdischen Humor, jüdische Lebensweisheiten und eine besondere Form des Denkens kennen. Diese Begegnungen faszinierten ihn und prägen ihn bis heute. Seine Beziehung zum Judentum fasst er in einem Satz zusammen: „Ich habe zwei Heimaten: fis-Moll und das europäische intellektuelle Judentum.“

Schon früh galt Bela Koreny als außergewöhnliches Talent. Am Konservatorium studierte er Klavier, später Komposition an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst. Ursprünglich wollte er klassischer Konzertpianist werden. Doch eines Abends hörte er im Fatty’s Salon Friedrich Gulda Jazz spielen. „Da habe ich mir gedacht: So Klavier zu spielen – das ist großartig.“ In diesem Moment änderte sich sein Lebensweg. Er verabschiedete sich vom Traum einer klassischen Pianistenkarriere und widmete sich dem Jazz sowie zunehmend der Komposition. Es entstanden Theater- und Filmmusik, Schauspielmusik und zahlreiche Konzertprogramme. Er tourte durch ganz Europa und trat auch als Schauspieler und Kabarettist auf.

1984 eröffnete Bela Koreny gemeinsam mit seiner Frau Martha die legendäre Broadway Piano Bar. Die beiden sind seit mittlerweile mehr als fünf Jahrzehnten verheiratet. Ihre Liebesgeschichte erzählt Bela mit leuchtenden Augen. 1971 fuhr die Familie mit seinem zweiten eigenen Auto – einem blauen Opel Rekord – nach Ungarn, um Nachbarn zu besuchen. „Auf der Hauptstraße spazierten die zwei hübschesten Mädchen, die ich je gesehen hatte. Ich wäre beinahe gegen einen Baum gefahren. Später servierte eines dieser Mädchen – Martha – meinen Eltern den Kaffee. Da war es um mich geschehen.“ Die Broadway Piano Bar wurde bald zu einem Wiener Kulturphänomen. Offiziell fanden dort acht Gäste bequem Platz – mit etwas Zusammenrücken aber auch 80 oder 90. Jeder Musiker durfte spielen. Die Bar wurde zum Treffpunkt der Wiener Kulturszene und internationaler Stars. Udo Jürgens, Helmut Qualtinger, Falco, Mercedes Echerer, Cornelius Obonya, Julian Rachlin und Gerhard Bronner waren ebenso zu Gast wie Billy Joel. Gespielt wurde alles – Klassik, Jazz, Chanson, Wiener Lied bis hin zur Weltmusik. Nach dem Geheimnis des Erfolges gefragt, antwortet Bela Koreny lachend: „Wir hatten kein Geheimnis. Dort stand ein gut gestimmter Flügel. Jeder Pianist und jeder Musiker, der in meine Bar kam, musste darauf etwas spielen.“ So kam es eines Tages auch, dass Leonard Bernstein spontan Platz nahm und für alle Gäste spielte. Bis 2007 bestand die Bar, ehe das Gebäude abgerissen wurde. Bis heute versteht sich Bela Koreny nicht nur als Musiker, sondern auch als Mentor. „Alles, was ich über das Wiener Lied gelernt habe, habe ich von Bela gelernt“, sagt Cornelius Obonya und streut ihm Rosen: „Bela Koreny ist eine Institution! Liedinterpretation ist etwas, das nur noch wenige beibringen können – er kann es. Und es ist immer lustig mit ihm! Größtmögliche Präzision bei höchstmöglicher Fahrlässigkeit, das ist Bela. Und er spielt immer und überall. Es gibt kein ‚Ich trau mich nicht‘. Bela Koreny IST das Klavier!“, so Obonya.

Die Schauspielerin und Sängerin Lilian Klebow bezeichnet die Arbeit mit Bela spielen als Geschenk. „Bela spielt nicht einfach Musik. Er lebt sie. Als wir uns 2014 kennengelernt haben, haben wir gemeinsam ein Walter-Jurmann-Programm erarbeitet. Meine kleine Tochter war gerade geboren und krabbelte unter Belas Klavier umher. Heute höre ich sie heimlich Knef singen und meinen Sohn den Opernboogie von Kreisler. Belas musikalische Reisen haben also die nächste Generation auch schon erreicht!“ Apropos nächste Generation: Bela Korenys Sohn Belush ist ebenfalls Pianist und Komponist und tritt damit in die Fußstapfen seines Vaters. Viele Musiker, die früher mit Bela Koreny auf der Bühne standen, arbeiten heute mit seinem Sohn zusammen. Qualität steht für Bela Koreny immer an erster Stelle. „Die Programme, die wir zusammenstellen, müssen etwas Besonderes sein. Wenn sie die Menschen nicht berühren, bekommt man keine 800 Zuschauer ins Theater im Park. Wir wollen unser Publikum für zwei Stunden aus dem Alltag und von seinen Sorgen entführen.“ Lieber Bela: Bis 100 und 20!

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René Wachtel

René Wachtel

lebt in Wien und ist Kultusrat für CHAJ-Jüdisches Leben in der IKG.

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