Nika Sommeregger, eine kärntnerisch-slowenische Regisseurin, hatte vor 33 Jahren von ihrer Mutter das Buch von Ruth Klüger „Weiter Leben“ geschenkt bekommen. Danach nahm sie jede Gelegenheit wahr, Lesungen von Ruth Krüger zu besuchen und freundete sich mit ihr an. Vor 25 Jahren fragte Nika Sommeregger sie dann, ob sie daraus ein Bühnenstück machen dürfe. Ruth Klüger sagte sofort ja, und so wurde daraus ein sehr berührendes Schauspiel.
Von René Wachtel
In einem stark reduziertem Bühnenbild werden von zwei Schauspielerinnen die ersten zwölf Lebensjahre der 1931 in Wien geborenen Ruth Klüger thematisiert und dramaturgisch nacherzählt – von einer Kindheit, in der die persönliche Freiheit Schritt für Schritt eingeengt wird, im Lebensalltag Verbote dominant werden, bis sie zur Deportation und Vernichtung führen. In Erinnerung und nachfolgender Reflexion spielen und sprechen zwei Schauspielerinnen abwechselnd die Rolle des Kindes und der erwachsenen Ruth. Dieses Stück hat Nika Sommeregger vor 25 Jahren inszeniert. Bis 2021 wurde es über 600 mal in Theatern und diversen anderen Veranstaltungsstätten im gesamten deutschsprachigen Raum aufgeführt.
2026 gibt es eine Neuinszenierung, wieder mit zwei jungen Schauspielerinnen. Wieso gerade jetzt? fragte ich Nika Sommeregger bei einer Probe. „Weil nach dem 7. Oktober 2023 der Antisemitismus wieder explodiert ist. Als Regisseurin möchte und muss ich dagegen ankämpfen. Mit dem Stück ,weiter Leben 2.0’ und der Neuinszenierung möchte ich zeigen, wohin Rassismus und Antisemitismus führen. Der Holocaust ist auch ein Erbe Österreichs, und das darf nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Unter dem Titel ,Theater gegen das Vergessen’ möchte ich junge Menschen mit dem Schicksal jüdischer Bürger und Bürgerinnen während der NS-Zeit konfrontieren.“
Gefördert durch den Nationalfond der Republik Österreich wird es elf Aufführungen der Neuinszenierung geben.
Die Premiere wird am 27. Jänner 2026 (Holocaust Remembrance Day) im Schloss Neugebäude stattfinden, die letzte Vorstellung am 10.05.2026 in der „Ehemaligen Synagoge in St. Pölten“.
Regie: Nika Sommeregger
Besetzung: Linnea Jonasson und Katharina Palenk
Klarinette: Anja Kerbitz, Bühnenbild: Peter Ketturkat. Regiehospitanz: Mija Krajger
Infos zu den Aufführungen unter: weiter leben – eine Jugend | Junge Theater Wien
