Kommentar von René Wachtel
Wenn Sie diesen Kommentar lesen, ist der Eurovision Song Contest 2026 schon längst Geschichte. Aber in mir und in vielen anderen ist etwas geblieben. Ich war bei der Organisation des Eurofan-Cafés für Israel in der Kantine im MQ von Anfang an dabei.
Nur zur Erinnerung: Die Wiener Kaffeesieder haben im Vorfeld des ESC das Konzept der Eurofan-Cafés vorgestellt. Jedes teilnehmende Land sollte von einem Kaffeehaus in Wien gehostet werden. Nur Israel bekam kein Kaffeehaus. Erst nach zwei Wochen wurde durch die beherzte Entscheidung von Lisa und Johannes Wegenstein die Kantine im MQ, die sie seit mehr als 23 Jahren betreiben, zum Eurofan-Café für die Fans und Freunde Israels.
Was wir dann gemeinsam dort gestaltet haben, war etwas Einmaliges: Mit viel Teamarbeit wurde ein Treffpunkt für viele Juden und für Freunde Israels geschaffen. Es gab Lesungen, Konzerte, eine Modeschau und einen Flashmob. Aber vor allem gab es eine tolle Atmosphäre, viele lachende Gesichter, eine überwältigend gute Stimmung. Wir zeigten, dass jüdisches Leben existiert und sich nicht versteckt. Alle waren voll Engagement bei der Sache, es gab viel Zustimmung von vielen Seiten. Viele haben dem propalästinensischen Mob getrotzt, sind trotz Sicherheitsbedenken gekommen, haben den positiven Vibe, den wir alle dort ausgestrahlt haben, genossen und auch mitgenommen. Der Songcontest und Wien rundherum sind relativ ruhig geblieben – es gab keine Provokationen vor Ort, die Demonstrationen waren überschaubar und die befürchteten Randale blieben aus.
Als Israel dann im Finale auch noch den zweiten Platz erreichte, war das für uns – und ich glaube, auch für viele andere in der Welt – ein deutliches Zeichen: Wir wollen den Antisemitismus nicht, es geht um Musik. „United for Music“ war der Titel und das Motto des ESC in Wien. Das soll im Vordergrund stehen. Für mich war auch das Mitarbeiten im Eurofan-Café etwas ganz Besonderes, denn dort habe ich gesehen, wie viele Menschen an das Positive glauben und auch daran arbeiten. Am Israel Chai – auch in Wien!
