Es gibt Momente, in denen ein einzelner Song mehr politisches Gewicht entfaltet als tausend Kommentare.
Von Danielle Spera
Boy George, eine schillernde genderfluide Gestalt aus der Pop-Szene der frühen 1980er-Jahre, hat für einen solchen Moment gesorgt. Ende Juli veröffentlichte er den Reggae-Song „We Will Dance Again“ mit dem Hashtag „Shalom“ direkt auf X. Der Titel gilt die seit dem 7. Oktober 2023 als Synonym für die israelische Widerstandskraft.
Der Text ist eindeutig: „You say genocide, I say war. When you’re attacked, that’s what the army is for.“ “Ihr sagt Genozid, ich sage Krieg“. Und weiter, direkt an jene gerichtet, die den Vorwurf des Völkermords erheben: „If you’re ever confused, I stand with the Jews.“ Boy George, irischer Katholik, verweist auch darauf, dass er von Beginn seiner Karriere an einen Davidstern getragen hat. 2017 ist er trotz massiver Boykottaufrufe in Tel Aviv aufgetreten. Er spiele für sein Publikum und nicht für Politik, erklärte er damals. 2020 nahm er mit dem israelischen Musiker Asaf Goren den Song „Rainbow in the Dark“ auf.
Auch in der Eurovision-Debatte positionierte sich George früh: Schon 2024, als 2.000 finnische, schwedische und isländische Musiker in offenen Briefen den Ausschluss Israels vom Song Contest forderten, unterzeichnete er gemeinsam mit Helen Mirren und Gene Simmons und vielen anderen ein Gegenschreiben zur Unterstützung von Israels Teilnahme. Der Preis dafür ist hoch. Nach der Veröffentlichung von „We Will Dance Again“ verlor Boy George sein Plattenlabel und stieg aus der Londoner „Jesus Christ Superstar“-Produktion am Palladium aus. „Aufgrund meiner Entscheidung, mich für meine jüdischen Freunde einzusetzen, verliere ich einige Menschen aus meinem Leben“, schrieb er auf X und verwies auf seinen buddhistischen Glauben: Jede Handlung habe eben Konsequenzen. In Israel wird sein Engagement als bedeutendes Signal gewertet, denn prominente nichtjüdische Stimmen sind seit dem 7. Oktober selten geworden. Die Botschaft ist: Wir sind nicht allein.
