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Home Dossier

Auf Künstler zu hören, ist keine Lösung

Gabriele Flossmann von Gabriele Flossmann
25. Mai 2026
in Dossier, Good News for the Jews, Kultur
Auf Künstler zu hören, ist keine Lösung

"Keine Kapitulation vor dem islamistischen Terror." ©Marcel Mohab

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In der „Hollywood-Crowd“ befinden sich weit mehr Unterzeichner auf der Pro-Palästina-Seite. Warum das so ist, hat Gabi Flossmann mit dem österreichischen Schauspieler Marcel Mohab besprochen.

von Gabi Flossmann

Marcel Mohab: Es fällt auf, dass ein großer Teil der Pro-Israel-Unterzeichner jüdisch sind, darunter Vertreter der älteren Generation wie Michael Douglas. Dass auch Andy Garcia die Pro-Israel-Petition unterschrieben hat, imponiert mir. Denn es kommt mir vor, dass sich viele – zu viele – unserer nichtjüdischen Mitmenschen lieber aus diesem Konflikt heraushalten, als ginge sie der Nahost- Konflikt nichts an. Und viele, die sich jetzt pro-palästinensisch geben, kommen offenbar gar nicht auf die Idee, dass in einem islamischen oder gar islamistischen Staat, ihre Lebensweise verboten ist oder sogar mit dem Tod bestraft werden würde.

NU: Was halten Sie generell davon, wenn sich Künstler und Schauspieler politisch äußern? Füllen in Zeiten, in denen es kaum Politiker gibt, die im positiven Sinne des Wortes „Vorbildcharakter“ haben prominente Künstler und Schauspieler diese Lücke?

Mohab: Auf Künstler zu hören, ist leider auch keine Lösung (lacht). Das gilt vor allem für Schauspieler (lacht wieder). Mark Ruffalo – um ein Beispiel zu nennen – ist ein toller Schauspieler, aber er hat sicher keine Expertise, um im Konflikt zwischen Israel und Palästina Stellung zu beziehen. Und zum Iran traut er sich eh nichts zu sagen. Er will nicht zur Verantwortung gezogen werden, wenn Trump einen Militärschlag unternimmt – oder unterlässt. Je nachdem, wie sich die öffentliche Meinung gerade dreht.

NU: Was hat Sie dazu bewogen, sich für Israel einzusetzen?

Mohab: Das war der Schock über den Hamas-Anschlag auf Israel im Oktober 2023. Wobei für mich nicht der 7. Oktober der eigentliche Weckruf war, sondern das, was danach gesagt wurde – oder besser: was alles NICHT gesagt wurde. Ich dachte mir damals: Das sollte doch gerade in Österreich und in Deutschland unser Thema sein. Nicht nur wegen unserer historischen
Verantwortung – hätte man an einem Tag mehr als 1000 Franzosen abgeschlachtet und mehr als 200 Menschen als Geiseln genommen, dann würden wir alle lautstark unserem Entsetzen Ausdruck verleihen. Aber als dieses Massaker in Israel passierte, nahmen zwar die Medien davon Notiz, doch die Menschen blieben hierzulande auf seltsame Weise stumm. Oder relativierten das Massaker hämisch als verständlichen Teil eines Freiheitskampfes.

NU: Wie haben Sie festgestellt, dass die Menschen hier stumm blieben?

Mohab: Eine Woche nach dem Hamas-Anschlag in Israel gab es eine Veranstaltung am Wiener Heldenplatz. Ich dachte, dass der Platz voll sein und aus allen Nähten platzen würde. Als ich hinkam, waren da meinem Gefühl nach einfach viel zu wenige Menschen. Und viele von ihnen hatte ich dorthin mitgenommen. Das Wetter war schlecht, okay. Aber das darf niemanden davon abhalten, sich solidarisch mit den jüdischen Opfern dieses Massakers zu zeigen. An diesem Tag wurde mir klar, wie komplex und psychologisch vielschichtig diese Sachlage ist. Einige Freunde wollten nicht mit mir zum Heldenplatz gehen, weil sie Angst vor einem islamistischen Anschlag hatten. Ich muss gestehen, dass auch mir mulmig zumute war, aber die eigene Angst vor einem möglichen Anschlag wichtiger zu nehmen als die Solidarisierung mit den Opfern der Hamas würde einer Kapitulation vor dem islamistischen Terror gleichgekommen – und das wollte ich schon gar nicht.

NU: Glauben Sie, dass die Wortmeldungen von Künstlern und Schauspielern zum Israel-Palästina-Konflikt in näherer Zukunft Wirkung zeigen werden? Und welche der beiden Gruppen – Pro-Israel oder Pro-Palästinenser – wird die stärkere sein?

Mohab: Viele denken, dass Israel die Besatzung im Westjordanland aufgeben soll, und dann würde es in dieser Region Frieden geben. Doch auch vor 1967 herrschte dort kein Frieden. Der Weg zum Frieden führt nur von beiden Seiten aufeinander zu. Und Israel ist nach wie vor eine Demokratie – eine Demokratie unter Beschuss, aber immer noch eine Demokratie. Auf der anderen Seite steht eine islamofaschistische Diktatur, die selbst die einzige Gegenpartei, die Fatah, massakriert hat. Und das ist meiner Ansicht nach paradigmatisch dafür, wie von dieser Seite Politik gemacht wird. Wir alle kennen den Imperialismus-Vorwurf gegen Israel und den Apell keine Waffen dorthin zu exportieren, von pro-palästinensischen Kundgebungen. Aber solange die Hamas der Forderung nach Entwaffnung nicht nachgibt und auf palästinensischer Seite kein Umdenken stattfindet, wird es keinen Frieden geben. Seltsamerweise wird das von westlicher Seite kaum eingefordert.



Marcel Mohab, Jahrgang 1979, stammt aus Graz und ist als Schauspieler nicht nur im Theater, sondern in vielen Fernseh- und Kinofilmen wie „SOKO Donau“, „Tatort“ oder „High Performance“ zu sehen und tritt auch als Kabarettist auf.


„Die Demokratie Israel steht einer islamofaschistischen Diktatur gegenüber.“ ©Marcel Mohab
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Gabriele Flossmann

Gabriele Flossmann

Gabriele Flossmann ist freie Autorin. Die Filmexpertin hat viele Jahre das Filmressort der ORF-Kulturabteilung geleitet und ist mit Filmschaffenden weltweit bestens vernetzt.

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