Im Dezember 2025 hat NU bereits über den Ausschluss von Jasmin Freyer in der IKG berichtet. Ein Update.
von René Wachtel
Noch immer ist es für Außenstehende nicht ersichtlich, wieso Präsident Oskar Deutsch im November 2025 seine langjährige Mandatarin Dr. Jasmin Freyer aus der IKG-Fraktion ATID ausgeschlossen hat. Fakt ist, dass vor dem Ausschluss vom Präsidenten starker Druck auf sie ausgeübt wurde, ihr Mandat freiwillig zurückzugeben, damit jemand anderer aus der Fraktion nachrücken kann. Freyer bestand darauf, weiterhin im Kultusrat zu bleiben; somit ist sie seit Dezember 2025 „Freie Mandatarin“. Damit ist es im Kultusrat zu einer noch nie dagewesenen Situation gekommen. Erstmals haben die beiden größten Gruppierungen „Verein Bucharischer Juden (VBJ) – JACHAD“ und „ATID“ die gleiche Anzahl (jeweils sieben) an Mandataren. Vizepräsident Michael Galibov hat aber intern gleich klargemacht, dass der VBJ – JACHAD das Koalitionsabkommen mit ATID bis zur nächsten IKG-Wahl im Herbst 2027 aufrechterhalten wird. Die Arbeit als freie Mandatarin wird Jasmin Freyer nicht leicht gemacht. Das zeigten gleich die nächsten Kultusratssitzungen. In eisiger Stimmung wurden ihre Wortmeldungen von den ATID-Mandataren abgeschmettert und auch Fragen zur Transparenz aus dem Plenum vom Präsidenten einfach nicht behandelt. Auch Einladungen zu offiziellen Veranstaltungen der IKG bekommt Jasmin Freyer plötzlich nicht mehr – man könnte daher durchaus von Mobbing sprechen. Auch als freie Mandatarin möchte Freyer für die Mitglieder der IKG da sein und bekommt nach eigener Aussage viel Zuspruch von Gemeindemitgliedern.
Neben der physischen Baustelle im Stadttempel in der Seitenstettengasse hat sich eine weitere aufgetan: Oberrabbiner Jaron Engelmayer wird seinen Posten in Wien im Herbst beenden. Gerade so richtig in Wien angekommen, ist er sehr angesehen. Viele Gemeindemitglieder haben ein persönliches Verhältnis zu ihm entwickelt, er nimmt seine repräsentativen Aufgaben ernst und langsam hat sich der Stadttempel wieder begonnen zu füllen – u. a. aufgrund des sehr erfolgreichen Projektes „Schabbestisch“. Auf Wunsch seiner Familie kehrt Engelmayer jedoch nach den hohen Feiertagen zurück nach Israel. Derzeit wird der Stadttempel aufwendig saniert (Budget: mehr als 10,5 Millionen Euro), doch nach der Wiedereröffnung wird es nach heutigem Stand keinen Rabbiner geben. Eine 13-köpfige „Rabbinerfindungskommission“ soll sich nun auf die Suche nach einem geeigneten Rabbiner für den Stadttempel begeben. Sie besteht aus dem Präsidium, drei Mitgliedern des Tempelvorstands und je einem Mitglied einer Gruppierung im Kultusvorstand (darunter drei Frauen). Auch hier wurde Jasmin Freyer von IKG-Präsident Deutsch übergangen, obwohl viele Mitglieder des Kultusvorstandes sie in der Kommission haben wollten – auch ein Zeichen.
