Es war ein Abend, der Freude, Dankbarkeit und politische Gegenwart verband. Im Palais Liechtenstein in Wien lud die Botschaft des Staates Israel zur Feier von Yom HaAtzma’ut und zur Verleihung des Israel Friendship Award.
von Danielle Spera
Israel wurde heuer 78 Jahre jung und es war spürbar: Yom HaAtzma’ut ist weit mehr als ein nationaler Feiertag. Er ist ein Tag der Erinnerung an jüdische Souveränität, aber auch ein Tag der Hoffnung auf Frieden, Sicherheit und Zukunft. Gerade in einer Zeit, in der Israel und jüdische Gemeinden weltweit mit Anfeindungen, Desinformation und einem erschreckenden Anstieg des Antisemitismus konfrontiert sind, erhält dieser Feiertag eine besondere Bedeutung. Die Freude über die Existenz des Staates Israel ist nicht naiv und nicht ungebrochen leicht. Sie steht neben Trauer, Sorge und der Sehnsucht nach Normalität. Gefeiert wird auch die Fähigkeit, trotz Bedrohung Leben zu gestalten. Jüdische Geschichte erzählt nicht nur von Verfolgung, sondern auch von Mut, Aufbau, Selbstbestimmung und Hoffnung.
Die Feier im Palais Liechtenstein war getragen von dem Bewusstsein, dass Freundschaft heute keine Selbstverständlichkeit ist. Die Anwesenheit vieler Gäste aus Politik, Diplomatie, Wissenschaft, Kultur und jüdischer Gemeinschaft unterstrich, dass die Beziehungen zwischen Österreich und Israel nicht nur auf diplomatischer Ebene bestehen, sondern von Menschen getragen werden, die in entscheidenden Momenten Haltung zeigen. Daher stand im Mittelpunkt die Verleihung des Israel Friendship Award. Ausgezeichnet werden seit sechs Jahren Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um die Freundschaft zu Israel, um jüdisches Leben und um Solidarität in schwierigen Zeiten verdient gemacht haben. Das sind heuer der frühere Vizekanzler Josef Pröll, die Professorin für Öffentliches Recht und Völkerrecht an der Wirtschaftsuniversität Wien, Monika Polzin, sowie Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien.
Die Auswahl der Preisträger erfolgt durch ein Komitee, dem neben dem israelischen Botschafter und seinem Stellvertreter auch Daniel Kapp, Daniel Landau und ich angehören. Die Entscheidungen sind einhellig getroffen worden. Die Geehrten stehen auf unterschiedliche Weise für Verantwortung – politisch, rechtlich, wissenschaftlich, gesellschaftlich. Gemeinsam ist ihnen, dass sie in ihren jeweiligen Bereichen Haltung zeigen.
Der erste Award des Abends ging an Josef Pröll. In seiner Rede wurde deutlich, dass Freundschaft zu Israel nicht aus bloßer diplomatischer Höflichkeit erwächst, sondern aus einem Bewusstsein für Geschichte, Verantwortung und Gegenwart. Gerade in Österreich ist dieses Bewusstsein untrennbar mit der Erinnerung an die Shoah, aber auch mit der Verpflichtung verbunden, jüdisches Leben heute zu schützen und sichtbar zu halten.
Ein weiterer Award wurde an Monika Polzin verliehen. Als Professorin für Öffentliches Recht und Völkerrecht an der Wirtschaftsuniversität Wien steht sie für juristische Klarheit und intellektuelle Redlichkeit – Qualitäten, die gerade in der Debatte um Israel von besonderer Bedeutung sind. Denn zu oft werden Begriffe unscharf verwendet, rechtliche Maßstäbe verzerrt oder politische Urteile vor juristische Analyse gesetzt. Die Auszeichnung Polzins würdigte damit auch die Bedeutung von Wissen, Präzision und Differenzierung in einer Zeit, in der öffentliche Debatten häufig von Schlagworten, Emotionen und vereinfachenden Schuldzuweisungen geprägt sind.
Der dritte Preisträger war Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien. Seine Auszeichnung machte sichtbar, wie vielfältig die Beziehungen zwischen Österreich und Israel sind. Sie reichen von Diplomatie und Politik über Wissenschaft und Forschung bis hin zu Medizin, Innovation und akademischem Austausch. Gerade die Medizin steht für einen Bereich, in dem Kooperation Leben retten, Horizonte erweitern und Vertrauen schaffen kann. In der Verbindung zwischen der Medizinischen Universität Wien und Israel zeigt sich, dass Freundschaft nicht abstrakt bleiben muss, sondern in konkreten Formen der Zusammenarbeit Gestalt annimmt.
Botschafter David Roet betonte dann auch die Verantwortung. Israel ist Teil der internationalen Gemeinschaft, jüdisches Leben ist Teil Europas, und die Sicherheit Israels ist nicht nur eine israelische Angelegenheit. Sie betrifft alle, denen Demokratie, Freiheit und Menschenwürde etwas bedeuten.
Bundesministerin Claudia Bauer unterstrich in ihrer Rede, dass die Bekämpfung von Antisemitismus, die Stärkung gesellschaftlichen Zusammenhalts und die Unterstützung jüdischen Lebens zentrale Aufgaben bleiben. Gerade Österreich steht hier in einer besonderen Verantwortung. Erinnerung dürfe nicht im Ritual erstarren. Sie muss sich in der Gegenwart bewähren – in Schulen, Medien, Kulturinstitutionen, Universitäten und im politischen Handeln.
Den Abschluss der offiziellen Zeremonie bildeten die Hymnen Österreichs und Israels. Die israelische Hymne HaTikvah ist ein historisches Bekenntnis: die Hoffnung eines Volkes, nach Jahrhunderten von Exil, Verfolgung und Heimatlosigkeit frei im eigenen Land leben zu können. Gerade deshalb war dieser Abend so wichtig. Er zeigte, dass Feiern und Erinnern, Dankbarkeit und Wachsamkeit, Freude und Verantwortung einander nicht ausschließen. Der Israel Friendship Award macht sichtbar, dass Freundschaft nicht allein in Worten besteht, sondern in Haltung, Handeln und öffentlicher Unterstützung. Freundschaft zu Israel ist heute wichtiger denn je. Sie ist ein Zeichen gegen Antisemitismus, gegen Gleichgültigkeit und gegen die Müdigkeit der demokratischen Gesellschaften. Und sie ist zugleich ein Bekenntnis zum Leben. Ein Abend für die Hoffnung, dass „Shalom al Israel“ nicht nur Inschrift auf der Auszeichnung der Friendship Award bleibt, sondern Auftrag, Wunsch und Gebet zugleich.
