So wichtig wie selten zuvor: Der Arik-Brauer-Preis, der Journalisten und Autoren auszeichnet, die fair über Israel und die Situation im Nahen Osten berichten.
von René Wachtel
Auch heuer wurde im Wiener Stadttheater Walfischgasse der Arik-Brauer-Publizistikpreis verliehen: an den ORF-Korrespondenten Nikolaus Wildner, den Essayisten Karl-Markus Gauß sowie – mit einem Sonderpreis – an die deutsche Politikerin und Aktivistin Karoline Preisler.
Ziel des von Arik Brauer und dem Mena-Watch-Gründer Erwin Javor ins Leben gerufenen Preises ist es, fundierte Beiträge zur öffentlichen Debatte auszuzeichnen, die den Nahen Osten unparteiisch und realitätsbezogen betrachten. Mena-Watch verknüpft den Preis mit dem eigenen Auftrag, die MENA-Region und deren Darstellung in den Medien zu beobachten – im Dienst der qualitativen Verbesserung des Diskurses über diese Region. Der Preis versteht Publizistik nicht als bloßes Format, sondern als Haltung – als sorgfältige, überprüfbare und nachvollziehbare Arbeit in einem Feld, das schnell von Schlagwörtern, Lagerdenken und Projektionen dominiert wird. Die Preisträger sollen in diesem Sinn Orientierung bieten, ohne Komplexität zu leugnen.
Erinnerung als Auftakt, Gegenwart als Prüfstein
Die Preisverleihung 2025 eröffnete Timna Brauer mit „Mir lebn ejbig“ („Wir leben ewig“), einem jiddischen Stück aus dem Wilnaer Ghetto (1943). Damit wurde ein Bogen gespannt: von jüdischer Überlieferung und Verletzlichkeit zu heutiger Verantwortung – und zur Frage, wie öffentlich gesprochen wird, wenn es um Jüdinnen und Juden, um Israel und um Antisemitismus geht. Erwin Javor warf in seiner Eröffnungsrede einen Blick auf das gesellschaftliche Klima und machte – anhand demografischer Vergleiche – sichtbar, wie radikal sich jüdisches Leben in Europa seit der Shoah verändert hat. Dass diese Auseinandersetzung nicht abstrakt ist, zeigte sich auch vor dem Theater: Dort demonstrierte während der Verleihung eine kleine Gruppe – gezählte elf Demonstranten –, die mit Megafonen und bekannten Slogans jede Menge Lärm und damit Aufmerksamkeit erzeugte.
Die Preisträger 2025
Nikolaus Wildner ist seit 2020 als ORF-Korrespondent aus Israel bzw. den Palästinensergebieten tätig. Seine Arbeit steht für Ausgewogenheit, Kompetenz und Sorgfalt, so die Jury. Qualitäten, die gerade im Nahost-Kontext rar geworden seien. Seine Biografie führte vom Zivildienst an der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, über das Studium an der Hebräischen Universität in Jerusalem zum ORF Büro Jerusalem. Ganz abgesehen von seinem perfekten Hebräisch und Arabisch spricht Wildner noch sieben weitere Sprachen. Wildners Auszeichnung steht auch dafür, dass jedes verkürzte Bild aus der Region am Ende auch jüdisches Leben in Europa berührt.
Karl-Markus Gauß wurde für sein Buch „Schuldhafte Unwissenheit. Essays wider Zeitgeist und Judenhass“ ausgezeichnet. Im Zentrum des Buchs steht der 7. Oktober 2023 und sein Nachhall. Die Jury würdigt Gauß als Stimme gegen israelbezogenen Antisemitismus und für Israels Recht auf Selbstverteidigung. Gauß schreibt nicht „über“ Judenhass, sondern gegen jene kulturelle Bequemlichkeit, in der man Antisemitismus nur dort erkennt, wo er laut und grob auftritt – nicht aber dort, wo er sich als Moral oder „kritische Haltung“ tarnt.
Der Sonderpreis ging an Karoline Preisler, die seit dem 7. Oktober 2023 wiederholt bei Demonstrationen mit Schildern wie „Rape is not Resistance“ und „Believe Israeli Women“ gegen die Normalisierung von Israelhass und die Relativierung sexualisierter Gewalt Stellung bezieht. Eine bewundernswerte, vorbildliche und vor allem mutige Frau: Sie steht Woche für Woche allein inmitten von fanatischen Israel-Hassern und trotzt auf diesem Weg dem grassierenden Wahnsinn. Karoline Preisler wurde bereits vielfach ausgezeichnet, mit dem Arik-Brauer-Preis kommt eine weitere Auszeichnung dazu.
Die Verleihung des Arik-Brauer-Publizistikpreises – ein Abend voller kluger Stimmen und starker Momente.


