Yaniv Persy, ein israelischer Fashion-Designer und Foodie, war einige Tage in Wien. Nach einer brillanten Modeschau im Museumsquartier wollte er Werke von Klimt, Schiele und anderen großen österreichischen Künstlern, die um 1900 in Wien lebten und arbeiteten, sehen. So spazierten wir gemeinsam ins Leopold Museum.
von René Wachtel
Yaniv Persy ist selbst auch Kunstsammler. Er sammelt moderne israelische Kunst sowie Werke, die während der Shoah entstanden sind – ein seltenes Sammelgebiet. Er möchte diesen verlorenen Künstlern einen Rahmen geben und plant, diese Sammlung in einer Galerie auszustellen. Während unseres Rundgangs durch das Museum erzählt er uns mehr über sich: In Israel geboren, wuchs Yaniv Persy durch die diplomatische Tätigkeit seiner Eltern in Südamerika auf. Nach der Matura kehrte er nach Israel zurück und studierte am Shenkar College of Engineering in Ramat Gan Design and Art. Seine ersten Modedesign-Arbeiten erregten sofort Aufmerksamkeit. 2007 bekam er die Möglichkeit, nach Paris zu ziehen. Die klassische Pariser Eleganz inspirierte ihn in seinen ersten Jahren sehr. Er arbeitete für John Galliano und wurde bald Creative Director bei Apostrophe in Paris. Kurz danach wechselte er nach Italien zu Roberto Cavalli, wo er seine erste eigene Kollektion kreierte. Es war eine außergewöhnliche Kollektion, in seinen Worten: „The Chutzpah of Design – the Israeli Way“. Vogue Italy wurde auf ihn aufmerksam und berichtete immer wieder über seine Kreationen.
Doch zurück ins Leopold Museum, wo Yaniv die Aura Egon Schieles förmlich in sich aufsog. Während wir lange bei den Schiele-Arbeiten verweilten, erzählte er, dass er 2009 in Israel sein eigenes Fashion House eröffnet hatte, das bis heute besteht, mit eigenen Stores in Tel Aviv und in Texas. Heute stellt er aber keine Kollektionen mehr her; sein Haus ist jetzt ein reines „Bride-Studio“ – hier werden Meisterstücke für Hochzeiten in Einzelanfertigung gefertigt. In persönlichen Gesprächen entweder auf der ganzen Welt oder via Videotelefonie entwickelt er die perfekte Idee für das Brautkleid, die er dann mit seinem Team in eine Traumrobe für die Hochzeit umsetzt. Sehr oft werden dann ganze Ensembles erarbeitet – das Brautkleid, die Kleider der Brautjungfern und die der Brautmütter. Sein Studio entwirft 20 bis 25 Einzelstücke pro Monat. Er empfindet das Erarbeiten des Brautkleides gemeinsam mit der Frau, die es dann trägt, als eine wunderschöne Form des Kennenlernens eines anderen Menschen. „Designs for Life“, wie er es nennt, hat er für viele bekannte Persönlichkeiten entworfen – für Kate Hudson, für Beyoncé oder Alicia Keys, die es in Musikvideos oder am Roten Teppich getragen haben.
Als wir im Leopold Museum zu Gustav Klimts Arbeiten kommen, gesteht Yaniv, dass er zwar Klimts berühmteste Meisterwerke kannte, aber nicht die hier gezeigten Werke. Von Klimts Frühwerk und den Landschaftsbildern war er dann kaum wegzubringen. Nur die Tatsache, dass wir uns den Ausstellungsstücken von Emilie Flöge, Klimts Muse und lebenslanger Freundin, zuwenden sollten, bewegte ihn zum Weitergehen. Flöge war auch Modedesignerin, betrieb gemeinsam mit ihren beiden Schwestern in Wien ein Modestudio und beschäftigte mehr als 50 Näherinnen. Yaniv war von den ausgestellten Kleidern überwältigt: Vor mehr als einhundert Jahren entworfen und doch so modern, so zeitlos, meinte er. Vielleicht eine Inspiration für künftige Entwürfe aus seinem Studio.
Am Ende unseres Ausflugs setzten wir uns in die Kantine im MQ. Dort berichtet er von seiner zweiten Leidenschaft, dem Kochen, mit dem er vor nicht allzu langer Zeit begonnen hat. Er sei von seiner Mutter inspiriert worden. Sie hatte oft Gäste: „Wir hatten auch so eine große Tafel wie auf dem Bild aus dem Sanatorium Purkersdorf, das wir im Leopold Museum gesehen haben. Meine Mutter war eine begeisterte Köchin. Sie war marokkanischer Abstammung und konnte mit Gewürzen perfekt umgehen. Sie konnte aber auch den besten ‚gefillten Fisch‘ zubereiten – ich habe bis heute keinen Besseren gegessen.“ So wuchs er auf und begann auch, selbst zu kochen: „Kochen ist auch Kunst – wie Design.“ Im August 2025 wurde er in die israelische TV-Sendung „The Masterchef“ eingeladen. Er nennt diese Erfahrung einen Wendepunkt in seinem Leben. Für diese Sendung kreierte er eine Lasagne auf marokkanische Art, die sofort tausendfach nachgekocht wurde. Inzwischen ist er auch in der Kulinarik ein Star mit eigenem Fernsehauftritt, entwickelt Rezepte, die leicht nachzukochen sind, und hat mehr als 100.000 Follower auf Instagram. „Kochen kann wie eine Hochzeit auch täglich zum Big Day werden“, meinte er in unserem Gespräch.
Am Ende unseres Treffens kamen wir auf das brutale Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 zu sprechen. Dieser Tag habe viel auch in seinem persönlichen Leben verändert – einer seiner guten Freunde wurde an diesem Tag beim Nova Festival ermordet. Später kam auch einer seiner Cousins beim Einsatz in Gaza ums Leben. In den USA wurde auf einen seiner Flagship-Stores ein Brandanschlag verübt. Als er in den USA eine Kampagne gegen den neuen Antisemitismus startete, kam es zu Diskussionen mit seinen amerikanischen Geschäftspartnern, die warnten: „Sei vorsichtig, sei nicht zu aggressiv – wir haben auch muslimische Kundinnen.“ Für Yaniv ist es wichtig, immer wieder Zeichen zu setzen, so wie er es bei der OSCAR-Verleihung 2024 tat, wo er ein spezielles Kleid in Erinnerung an den 7. Oktober 2023 entwarf. Die israelische Schauspielerin Hofit Golan trug das Kleid am Red Carpet. Auf dem Stoff des aufwändig gestalteten Kleids waren die Namen der Ermordeten, der Geiseln und der von der Hamas zerstörten Dörfer gedruckt. Yaniv Persy überzeugt als Fashion-Designer, als Kochkünstler, aber besonders als Mensch.

