Auch der 13. Oktober 2025 wird uns allen in Erinnerung bleiben. 2 Jahre nach dem Massaker der Hamas sind die letzten Geiseln aus dem Gazastreifen, die noch am Leben waren, freigelassen worden. Sie haben 738 Tage in Gefangenschaft einer brutalen Terrororganisation überlebt.
von Rosa Grünwald
Die israelische Öffentlichkeit sowie Jüdinnen und Juden, befreundete Menschen und Organisationen in aller Welt waren überwältigt vor Freude, doch es war eine Mischung aus Erleichterung und bitterem Nachgeschmack. Für die zwanzig Geiseln musste Israel zweitausend palästinensische Gefangene freilassen, darunter Mörder und Terroristen.
Berichte aus der Geiselhaft: Hunger, Folter, sexuelle Gewalt
In den Wochen nach ihrer Rückkehr begannen die Befreiten – vorsichtig und oft noch unter Auflagen des Militärzensors – über ihre Haftbedingungen zu sprechen. Ihre Schilderungen zeichnen ein Bild systematischer Misshandlung: viele wurden über Monate in Tunneln oder fensterlosen Kellern festgehalten, litten unter massiver Unterernährung, fehlender medizinischer Versorgung, regelmäßigen Schlägen und psychischer Folter. Dazu kommen Berichte über sexualisierte Gewalt auch von männlichen Geiseln. So beschrieb etwa der 21-jährige Rom Braslavski im israelischen Fernsehen sexualisierte Misshandlungen durch seine Entführer, während früher freigelassene weibliche Geiseln schon länger von systematischer sexueller Demütigung berichten. Auch die Zeugnisse und Berichte über Vergewaltigungen beim Angriff vom 7. Oktober 2023 bleiben in schmerzvollem Bewusstsein.
Der Trump-Plan für Gaza
Seit dem 13. Oktober 2025 hat sich die Lage rund um Israel, Gaza und die Geiseln grundlegend verändert. Die Freilassung der letzten lebenden Geiseln, der Trump-Plan und dessen Umsetzung in einer UNO-Resolution haben die politische Landkarte verschoben. Der sogenannte Trump- Plan – ein 20-Punkte-Programm – wurde Ende September 2025 vorgestellt. Er zielt darauf ab, den Gaza- Krieg zu beenden und die Region neu zu ordnen. Kernpunkte sind neben der Freilassung aller Geiseln ein Waffenstillstand, der Rückzug der IDF in Etappen, die vollständige Entwaffnung der Hamas und ihr Ausschluss aus einer künftigen Regierung sowie der Aufbau einer unpolitischen palästinensischen Verwaltung unter Aufsicht eines internationalen Board of Peace. Viele Staaten – darunter wichtige arabische Länder und europäische Verbündete – haben den Plan ausdrücklich unterstützt, weil er erstmals einen strukturierten Fahrplan darstellt, und Sicherheitsgarantien, Wiederaufbaupläne und internationale Aufsicht verbindet.
Innenpolitische Erschütterung in Israel
Mitte November 2025 kam es erneut zu großen Demonstrationen in Tel Aviv und anderen Städten: Gefordert wird eine umfassende Untersuchung der politischen und militärischen Versäumnisse vor, während und nach dem 7. Oktober. Gleichzeitig steht Premier Netanjahu innenpolitisch zwischen zwei Fronten: Während die Mitte-Opposition das Trump-Abkommen zähneknirschend als notwendige Exit-Strategie unterstützt, attackieren rechtsextreme Koalitionspartner jeden Schritt, der als „zu weich“ gegenüber der Hamas gilt.
Ein neuer UNO-Beschluss und die Perspektive eines Palästinenserstaates
Parallel zu diesen Entwicklungen hat der UNO-Sicherheitsrat eine von den USA eingebrachte Resolution (2803) verabschiedet, die den Trump-Plan offiziell unter ein UN-Mandat stellt. Sie autorisiert eine internationale Stabilisierungstruppe für Gaza, bestätigt die Einrichtung eines „Board of Peace“ und enthält in der Präambel die Formulierung, die Umsetzung des Plans könne „eine glaubwürdige Perspektive für palästinensische Selbstbestimmung und Staatlichkeit“ eröffnen. Aus palästinensischer Sicht ist entscheidend, dass die Schaffung eines Palästinenserstaates an die Entmachtung und Entwaffnung der Hamas geknüpft wird. Heute, Ende November 2025, gilt formal ein Waffenstillstand, auch wenn es immer wieder zu Zwischenfällen kommt. In der internationalen Arena ist mit der UNO-Resolution 2803 ein Rahmen entstanden, in dem ein entmilitarisiertes Gaza, eine palästinensische Selbstverwaltung und langfristig ein Palästinenserstaat denkbar werden. Ob dieser Rahmen trägt, hängt nun davon ab, ob die Hamas tatsächlich entmachtet wird, ob Israel innenpolitisch zu einem Kurswechsel bereit ist – und ob die internationale Gemeinschaft den politischen Willen aufbringt, mehr als nur Resolutionen zu verabschieden.
