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Die Karten im Nahen Osten werden neu gemischt.

Danielle Spera von Danielle Spera
30. März 2026
in Aktuell, Israel / Naher Osten
Die Karten im Nahen Osten werden neu gemischt.

Ob es für den Iran Licht am Ende am Tunnels geben wird, kann man noch nicht absehen. ©Danielle Spera

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Was sich seit dem 28. Februar vor unseren Augen vollzieht, ist nicht nur eine weitere Eskalation im Nahen Osten. Es ist eine Neuordnung. Aus dem langen Schattenkrieg zwischen Israel und dem Iran ist ein offener Krieg geworden.

von DANIELLE SPERA

Zu Redaktionsschluss dauern Raketen- und Drohnenangriffe an, die USA kündigen weitere harte Schläge an. Die Erschütterungen reichen längst über Israel und Iran hinaus bis in den Golf, in den Libanon und auf die globalen Energiemärkte. Der Krieg hat damit nicht nur Fronten geöffnet, sondern Gewissheiten beendet. Für Israel ist das eine historische Zäsur. Der Krieg gegen den Erzfeind, der sich seit der islamischen Revolution 1979 die Zerstörung Israels auf die Fahnen geheftet hat, ist für Israel existenziell und eint die Israelis wie kaum ein anderes Thema, auch wenn das Land bereits einige Opfer und Schäden zu beklagen hat. Über Jahre galt der Iran als Drahtzieher des Terrors, der die Welt überzog, und als Zentrum der „Achse des Widerstands“. So wird das israel- und amerikafeindliche Bündnis von Sympathisanten, aber auch so manchen Journalisten (selbst in Österreich) genannt, das die Hamas in Gaza, die Hisbollah im Libanon, Milizen im Irak und in Syrien, dazu die Houthis im Jemen umfasst und von Teheran gesteuert und finanziert wird. Der aktuelle Krieg zeigt, dass diese „Achse“ nicht mehr als geschlossenes Lager funktioniert. Bis auf die Hisbollah, die aus dem Libanon auf Israel schießt, zögern viele iranische Proxys, sich in den Krieg hineinziehen zu lassen. Das heißt nicht, dass die Gefahr verschwunden wäre. Aber es heißt, dass Irans Machtprojektion brüchiger geworden ist. Für Israel ist das strategisch bedeutend.

Zugleich ist offenkundig, dass militärische Überlegenheit noch keinen politischen Endzustand schafft. Trotz massiver Angriffe, trotz des Todes von Ali Khamenei und vieler Anführer der Revolutionsgarden, trotz schwerer Schläge gegen militärische und staatliche Strukturen ist das Regime in Teheran bislang nicht zusammengebrochen. US-Geheimdienste gehen davon aus, dass die Führung weiter die Kontrolle behält. Der israelische Ministerpräsident Netanyahu selbst räumte inzwischen ein, dass ein Sturz des Regimes keineswegs sicher sei. Für Israel ist die nüchterne Wahrheit dieses Kriegs bisher, dass der Gegner hart getroffen ist, aber noch nicht erledigt.

Gerade deshalb werden die Karten jetzt neu gemischt. In den Golfstaaten wächst nach den iranischen Angriffen die Wut auf Teheran und nicht auf jene, die den Iran militärisch unter Druck setzen. Die Vereinigten Arabischen Emirate fordern, dass der Iran die Angriffe auf seine Nachbarn einstellen müsse, damit überhaupt wieder Diplomatie möglich werde. Gleichzeitig zeigen die Angriffe auf Schifffahrt, Öl-Infrastruktur und die Straße von Hormus, dass die ganze Region in eine neue Phase eingetreten ist. Eine alte Ordnung bröckelt, ohne dass eine neue schon feststeht.

Was bedeutet das für Israel? Ein geschwächter Iran und gleichzeitig eine neue Offenheit mancher arabischen Staaten gegenüber Israel eröffnen Jerusalem ein Fenster. Israel kann aus militärischen Erfolgen eine neue politische Architektur aufbauen: neue regionale Verständigung, allerdings gepaart mit der Erkenntnis, dass es für Gaza zwar ein Abkommen, aber noch keine nachhaltige Zukunftsstrategie gibt. Israel hat in diesen Tagen gezeigt, dass es seinen gefährlichsten Gegner empfindlich treffen kann. Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt aber erst jetzt, wenn sich herausstellt, ob aus dem Erschüttern der alten Bedrohung auch eine tragfähigere Zukunft entsteht. Die Karten im Nahen Osten werden neu gemischt, doch wo sie am Ende liegen werden, ist noch offen.

Vorheriger Beitrag

Israel, die USA und Iran: eine Geschichte von ziemlich besten Feinden

Danielle Spera

Danielle Spera

Danielle Spera ist NU-Herausgeberin und Geschäftsführerin von KMJ – Kultur.Medien.Judentum. Sie leitete bis Juli 2022 das Jüdische Museum Wien und war davor langjährige ORF-Journalistin und Moderatorin.

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