Mark: Mein Lieber! Jetzt ist es wieder so weit: Die Dreideln drehen und in der Luft liegt Latkesduft.
Nathan: Das klingt wirklich sehr nett! Wie schön wäre es, wenn die Welt tatsächlich so heil wäre.
Mark: Jetzt klingst du bald wie meine Großmutter! Isst du denn genug? Schmecken dir die Latkes nicht? Sind es die Antisemiten? Gerade Chanukka ist doch der Beweis jüdischer Resilienz.
Nathan: Die Antisemiten sind es auch nicht. Auch der Sieg des selbsternannten Sozialisten Mamdani in New York bedrückt mich nicht so sehr. Es ist die Situation weltweit, die Dummheit. Diese Zeit eignet sich gut zur Reflexion, da rutscht man leicht in Weltschmerz.
Mark: Nimmst du genug Vitamin D? Lass uns doch lieber wegfahren, am Strand Zeitung lesen, wie früher.
Nathan: Gott bewahre!
Mark: Warum denn nicht?
Nathan: Ich traue mich nicht mehr. Wir leben in absurden Zeiten, findest du nicht?
Mark: Nu, dann eben keine Zeitung. Wir könnten gemeinsam Kunst machen! Schließlich sitzen wir neuerdings gemeinsam in der Klasse an der Akademie.
Nathan: Ja… doch auch da fehlt mir der Antrieb. Der Antisemitismus wirkt dort wie eine schlecht geprobte Performance. Und der Rektor steht daneben wie eine Skulptur.
Mark: Da hast du wohl recht, aber es gibt noch Hoffnung…bald wird wieder gewählt. Ein drittes Mal kandidiert der Rektor sicher nicht.
Nathan: Ich glaube, man darf ohnehin nur zweimal antreten. Das ist wahrscheinlich die einzige funktionierende Grenze dort.
Mark: Stell dir vor, manche Dinge dürftest du im echten Leben auch nur zweimal machen. Zwei Beziehungen, zwei Steuererklärungen, zwei Versuche bei der Fahrprüfung…die Leute würden die Sachen anders angehen.
Nathan: Das klingt fast hoffnungsvoll. Kannst du dich an die Einladungspolitik der Akademie erinnern?
Mark: Wohl oder übel.
Nathan: Der schwedische Klima-Aktivist Andreas Malm, dessen Aussagen über „Siedlerkolonialismus“ klingen wie moralische Abrissbirnen.
Mark: Und er wird weiterhin propagiert…
Nathan: Genau. Und die Einladung der von der EU-Kommission geförderten Postcolonial- und Queer-Studies-Professorin Alqaisiya, die im Zusammenhang mit Israel von „Hetero-Landnahme“ und „Auslöschung der indigenen Bevölkerung“ spricht, war ein weiterer Schlag.
Mark: Die Uni ist wie ein Pendel. Sie lädt ein und wieder aus, lädt ein und wieder aus.
Nathan: Und BDS-nahe Mitglieder des Kuratorenteams der Documenta werden in der Akademie hofiert. Man geht davon aus, die Studierenden würden schon selbst zurechtkommen, als wäre Nahost ein Aquarellkurs.
Mark: Und der Rektor? Was sagt der eigentlich zur Situation an der Akademie?
Nathan: Der sprach wenige Wochen nach dem 7. Oktober: „von internationalen Perspektiven, die nicht harmonisch seien, und davon, dass Meinungen ausgetauscht werden müssten.“
Mark: Na sehr beruhigend. Als wäre das Problem ein Wetterbericht. „Heute antisemitische Böen aus Hörsaal 2, morgen theoretische Schauer in der Aula.“ Während viele jüdische Mitglieder der Akademie sich immer unsicherer fühlen…
Nathan: …weil bei der unglaublichen Schar an Ereignissen niemand klar sagte: „Antisemitismus hat hier keinen Platz.“
Mark: Und das an einer Kunstuni! Sinngemäß: Hier muss es Platz für Kontroversen geben.
Nathan: Genau. Ein Ort, der jede Minderheit feiert, außer jene, die nicht in ihre Theorie passt.
Mark: Und was erwartest du von der nächsten Rektorenwahl?
Nathan: Jemanden, der endlich versteht, dass man Konflikte nicht wegmoderieren kann. Und, dass jüdische Studierende nicht Diskursmaterial sind.
Mark: Das wäre ein Wunder.
Nathan: Ein kleines Chanukka-Wunder vielleicht?
