Festspiel-Highlights 2020

Caroline Peters ist die neue Buhlschaft. Foto: Anne Zeuner

Auch im Covid-19-Krisensommer, in dem große Festivals wie Bayreuth oder die Bregenzer Festspiele, abgesagt wurden, gehen jene in Salzburg über die Bühne. Um Gedränge am Pausenbüffet oder vor den Toiletten zu vermeiden, gibt es in den unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen für Künstler und Publikum stattfindenden 110 Aufführungen an acht Spielstätten keine Pause. Von 1. bis 30. August sind 54 Konzerte angesetzt, unter anderem werden Andris Nelsons, Riccardo Muti, Christian Thielemann und Gustavo Dudamel die Wiener Philharmoniker dirigieren. Zu Gast ist auch das von Daniel Barenboim gegründete West-Eastern Divan Orchester.

Neben dem Jedermann, Salzburgs Alleinstellungsmerkmal, gibt es im Schauspiel zwei Uraufführungen: Everywoman, das der Regisseur und Autor Milo Rau gemeinsam mit der Schauspielerin Ursina Ladi entwickelt hat. Wie ihr männliches Pendant Jedermann kennt auch Everywoman weder Moral noch Maß. Als sie jedoch mit der eigenen Vergänglichkeit konfrontiert wird, erkennt sie, dass sie ihr Leben ändern muss. Nur wie?
Szene Salzburg am 19., 20., 22., 23., 27., 28. August

Die Uraufführung von Zdenĕk Adamec von Peter Handke inszeniert Friederike Heller. Die junge Regisseurin hat Erfahrung mit Stücken des österreichischen Literaturnobelpreisträgers: 2004 wurde sie für ihre Handke-Inszenierung Untertagsblues am Wiener Burgtheater von Theater heute zur Nachwuchsregisseurin des Jahres gewählt. In Zdenĕk Adamec treffen unterschiedliche Menschen aufeinander, die öfffentliche Selbstverbrennung von Zdenĕk Adamek 2003 auf dem Wenzelsplatz in Prag ist der rote Faden ihrer Gespräche.
Landestheater am 2., 4., 7., 9., 12., 13., 15., 16. August

Franz-Welser Möst dirigiert Richard Strauss‘ Oper Elektra, Regie führt Krzysztof Warlikowski. Richard Strauss, neben Max Reinhardt und Hugo von Hofmannsthal einer der Festspiel-Begründer, war 1903 von der Berliner Uraufführung von Hofmannsthals Schauspiel Elektra in der Regie von Max Reinhardt in derart begeistert, dass er den Dichterfreund bat, ihm in „allem Komponierbaren von Ihrer Hand das Vorrecht zu lassen.“ In Salzburg wird Elektra von dem litauischen Rising-Star Aušrine Stundyte verkörpert, die Chrysothemis singt Asmik Grigorian, die 2019 als Sängerin des Jahres ausgezeichnet wurde.
Felsenreitschule am 1., 6., 10., 16., 21., 24. August

Salzburgs Genius Loci, Wolfgang Amadeus Mozart, wird im Jubiläumsjahr mit Così fan tutte gewürdigt. Beide Opern werden von den Wiener Philharmonikern gespielt, auf der Bühne stehen u.a. Elsa Dreisig, Marianne Crebassa, Andrè Schuen und Johannes Martin Kränzle. Regie führt Christof Loy, dirigieren wird die Mozartoper die junge Generalmusikdirektorin.
Großes Festspielhaus am 2., 5., 9., 12., 15., 18. August

Einen Blick zurück in die Geschichte der Festspiele unternimmt die vielfältige Ausstellung Großes Welttheater – 100 Jahre Salzburger Festspiele. In Kooperation mit dem Salzburg Museum werden Entwicklung, Höhepunkte und Krisen eines Festspieljahrhunderts nachgezeichnet.
Salzburg Museum von 26. Juli bis 31. Oktober 2021

Details, Termine, Kartenbestellungen: www.salzburgfestival.at


„Ich glaube, dass Salzburg wegen seiner wundervollen zentralen Lage, seiner landschaftlichen und architektonischen Pracht, seiner historischen Merkwürdigkeiten und Erinnerungen und nicht zuletzt seiner unberührten Jungfräulichkeit wegen dazu berufen ist, Wallfahrtsort zu werden für die zahllosen Menschen, die sich aus dem blutigen Gräuel dieser Zeit nach den Erlösungen der Kunst sehnen. Gerade dieser Krieg hat bewiesen, dass das Theater nicht entbehrlicher Luxus für die oberen Zehntausend, vielmehr ein unentbehrliches Lebensmittel für die Allgemeinheit ist.“
(Max Reinhardt)

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