Schräg, poppig – und „very Jewish“

Das Cover des aktuellen Heftes könnte nicht tabubrechender sein: Als Illustration zum Schwerpunkt Essen haben die Macher des jüdischen Magazins „HeeB“ justament das Foto eines Schweinchens gewählt. US-Popkultur meets Judentum.
Von Alexia Weiss

D„HeeB. The New Jew Review“ erscheint seit 2001 vier Mal im Jahr – und ist inzwischen in den USA weit mehr als nur irgendein Magazin. Unter den 125.000 Lesern und 6.000 Abonnenten hat sich eine Community gebildet – man liest „HeeB“ nicht nur, man lebt es auch, etwa wenn wieder ein „HeeB Storytelling“ in New York, Los Angeles, San Francisco, Chicago oder Atlanta abgehalten wird oder das Blatt zu schrägen Filmevents lädt.

Konzipiert für 20- bis 30-Jährige wird hier urbanen, progressiven, säkularen Juden die Möglichkeit gegeben, sich mit ihrer Identität auf kontroversielle, doch stets augenzwinkernde und äußerst unterhaltsame Weise auseinander zu setzen. Dem Lifestyle wird großer Platz eingeräumt und die Herangehensweise an Themen lässt die Vorliebe des Teams rund um Chefredakteur Joshua Neuman für plakativen Trash deutlich erkennen.
So findet sich im Inneren von „The Food Issue“ etwa eine Doppelseite, gestaltet wie ein Filmplakat: „Borscht Belt Horror“ ist da in verwackelten Buchstaben zu lesen und eine Frau sitzt im Halbdunkel vor einem Fernsehgerät, aus dem eine rot-violette, an Marmelade erinnernde Masse rinnt …

Die Liste der von der Redaktion ausgewählten weltweit 50 besten Speisen und Getränke reicht vom Pez-Zuckerl über Guinness, das mexikanische Frühstücksgericht Huevos Rancheros und Tabasco bis zu Sushi. Auf Platz 41 wurde übrigens die Sachertorte gehievt – zwar nicht jene aus dem gleichnamigen Hotel in Wien, sondern die aus dem Café Sabarsky in Manhattan. Urteil der Redaktion:
„The deadliest thing to come out of Austria since, well, we won’t go there.“

In früheren Ausgaben haben sich die „HeeB“-Macher mit Themen wie Geld, Sex oder Schuld auseinander gesetzt – immer bunt, immer schrill und jedenfalls nicht mit dem erhobenen, belehrenden Zeigefinger. Auch die Inserate spiegeln die Offenheit des Magazins wider: So wirbt in der aktuellen Ausgabe die Organisation „Judaism your way“ mit einem einseitigen Sujet, auf dem vor dem Tisch mit den beiden angezündeten Schabbat-Kerzen statt einer Frau eine nackte, aufblasbare Puppe mit großen
Brüsten und Erdbeermund platziert wurde …

Und wer den „HeeB“-Spirit nicht nur im Kopf, sondern auch am Körper spüren will, dem seien die „HeeB“-Shirts empfohlen – zu finden auf der Homepage des Magazins.

WEB-TIPPS:

www.heebmagazine.com
www.judaismyourway.org

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