Jüdisches Magazin für Politik und Kultur

rubriken: Vor 15 Jahren im NU
  • SCHLAGWöRTer: 
  • ausgabe:  Erwin Steinhauer | Nr. 67 (01/2017) – Adar/Nissan 5777
  • Vor 15 Jahren im NU

    Warum wir wurden und wie wir waren
    VON PETER MENASSE

    Wenn die Zeiten dramatisch und traurig sind, mag es falsch sein, Witze zu machen. Aber was bleibt einem denn, wenn die Zeiten derart schlecht sind, dass Witze nicht mehr angebracht sind? Es bleibt einem nur, einen Witz zu erzählen. So erging es wohl auch Eldad Beck im März 2002, als er für NU 7 einen Beitrag über die „Zeit der Desillusion“ in Israel schrieb. Seine ausführliche kommentierende Analyse beschrieb die Situation rund 18 Monate nach Ausbruch der zweiten Intifada. Ariel Sharon, der im Jahr 2001 die Wahlen mit dem Slogan „Sharon wird Frieden bringen“ gewonnen hatte, hätte sein Versprechen nicht wahrmachen können. Israel sei, so Beck, in einer der schwersten Krisen seit seiner Gründung. Vieles, was er über die sich verändernde Parteienlandschaft in Israel schrieb, der Aufstieg der Rechten und das Versagen der Mitte-Links- Parteien, bestimmt die Lage im Land bis heute. Er schloss seinen beeindruckenden, bis heute lesenswerten Beitrag mit einer Geschichte, die auf die Zeit vor dem Sechstagekrieg zurückgeht. Damals habe man auf dem Ben-Gurion- Flughafen in Tel Aviv ein Schild aufgehängt, auf dem zu lesen stand: „Der letzte, der das Land verlässt, soll bitte das Licht ausschalten.“ 15 Jahre später stimmt der Witz irgendwie immer noch. Man würde sich wünschen, es gäbe mal weniger dramatische Zeiten.

    Erwin Javor befasste sich ebenfalls mit der Situation in Israel. Er suchte die Verantwortung vor allem auf Seiten der Palästinenser, die aus dem unilateralen Abzug der israelischen Armee aus dem Südlibanon die Schlussforderung zögen, dass man auch ohne Kompromisse die Juden mit Gewalt aus den besetzten Gebieten vertreiben könne.

    Werner Hanak und Eva Menasse interviewten im Heft 7 Rabbi Jacob I. Biderman. Ursprünglich sollte es im Gespräch um die Situation der Juden in Wien gehen, doch wegen der Dramatik wollte Biderman dann auch über die Lage im Nahen Osten reden. Er plädierte unter anderem für einen „Marshall-Plan“ für die Flüchtlinge. Es würde nämlich immer die arme Zivilbevölkerung, sei es die palästinensische oder die israelische, leiden, und das müsse ein Ende haben. Der viel zu früh verstorbene Klaus Zellhofer, an den wir mit großer Trauer denken, besprach eine wissenschaftliche Arbeit der Universität Jerusalem, die antisemitische Konnotationen im Sprachschatz von Jörg Haider aufdeckte.

    Auf einer Grußadresse der Grünen zu Pessach prangte das Bild ihres damaligen Parteichefs. Es war das ein vollbärtiger, jugendlich aussehender Universitätsprofessor namens Alexander Van der Bellen.

    Schließlich problematisierte ich in meinem Kommentar, dass viele von der IKG abhängige Menschen, anscheinend aus Angst vor Konsequenzen, unserem Magazin das Gespräch verweigerten. Die feindselige Haltung der IKG-Spitze zieht sich bis heute durch. Wir lächeln seit 15 Jahren darüber wie alte weise Buddhas.

    Peter Menasse
    Der NU-Chefredakteur ist selbstständiger Kommunikationsberater und Publizist. Er lebt in Wien und im Burgenland.
    Peter Menasse

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