Jüdisches Magazin für Politik und Kultur

rubriken: Jüdisches Leben
  • SCHLAGWöRTer: ,
  • ausgabe:  Rafael Kishon | Nr. 63 (01/2016) - Nissan 5776
  • The Fat Jewish von und zu Instagram

    Jewlio Iglesias, Jewy Vuitton, Jewsan Sarandon – diese und viele weitere Namen trägt der wahrscheinlich ausgefallenste Comedian des Social Media, Josh Ostrovsky. Mit seiner skurrilen, oft vulgären Art, schaffte es der Amerikaner bis ins Times Magazine auf die Liste der dreißig einflussreichsten Menschen im Internet. Ein beliebter und beleibter Jude, der sich anscheinend vor nichts und niemandem scheut.
    VON SAMUEL MAGO

     

    Mit knapp acht Millionen Instagram- Followern erreicht The Fat Jewish täglich ein Publikum, etwa so groß wie die Bevölkerung Österreichs – vorausgesetzt man zählt Kärnten nicht dazu. Neben einer weitgehenden Mehrheit von Jugendlichen gehören auch Prominente wie Miley Cirus, Katy Perry und Kanye West zu seinen Fans. Seit 2013 erlangte Ostrovsky durch seine berüchtigten Memes und Viral Videos stetig wachsende Bekanntheit. Sein Talent, sich selbst zu inszenieren und bloßzustellen, ist nur seinem Talent zur Selbstvermarktung unterzuordnen. Das Konzept ist einfach: Er ist dick, jüdisch und sehr kontrovers.

    Zwischen den Tätowierungen „New York“ rechts und „Mazel Tubb“ links, ziert ein Anhänger mit dem hebräischen Wort „חי “ – zu Deutsch „Leben“ – auf einer massiven Goldkette seine entblößte, haarige Brust. Die einzigartige Hochsteckfrisur erinnert an die Antenne der Figur Tipsy aus der Kinderserie Teletubbies und der Vollbart betont seinen entgeisterten Gesichtsausdruck. Aufgewachsen ist der Ausnahmekünstler in gutbürgerlichen Verhältnissen auf der Upper West Side in New York. Auf der Online-Plattform Instagram ist The Fat Jewish heute zu einer Ikone herangewachsen. Doch die gewaltige Fangemeinde schützt ihn nicht vor der massiven Kritik, die der 31-jährige seit Monaten einstecken muss.

    Öffentliche Verurteilung

    Nachdem The Fat Jewish skrupellos Memes, Fotos und Witze anderer Comedians kopiert und unter seinem eigenen Namen veröffentlicht hatte, wurden die erbosten Stimmen seiner Kollegen immer lauter. Im August letzten Jahres brach ein regelrechter Shitstorm gegen ihn aus, der in einer öffentlichen Verurteilung durch die amerikanische Comedy-Szene mündete. Sein Bestreben, die Plagiatsvorwürfe zu bagatellisieren, machte alles noch schlimmer. „Das Internet ist wie eine gigantische Orgie, auf der alles geteilt wird. Jedes Mal, wenn ich ein Foto mache, wird es auf Millionen von Seiten re-blogged und ich würde niemals meinen Namen darunter setzen. Es ist ungefähr so, als wären wir alle auf Ecstasy auf einer gigantischen Party“, versuchte er zu verharmlosen.

    Unterdessen stieg die Zahl seiner Follower in sozialen Medien rasant an, was Instagram dazu veranlasste, sein Benutzerkonto trotz Urheberrechtsverletzungen nicht zu sperren, unter der Bedingung, alle Inhalte mit den jeweiligen Autorennamen zu versehen. Dies tat Ostrovsky auch und rief in einem Exklusivinterview mit Volture die Betroffenen sogar dazu auf, ihn zu benachrichtigen: „Ich arbeite daran, jeden meiner Posts zuzuordnen und werde das auch in Zukunft machen. Meine E-Mail-Adresse ist für alle sichtbar. Ich bitte die betroffenen Personen, sich dringend bei mir zu melden. Ich möchte die Credits wirklich gerne nachtragen.“

    Vielen Fans zufolge seien jedoch gar nicht die Memes und Fotos die Essenz des Humors von Ostrovsky. Erst die Bildunterschriften seien das Geheimnis seines Erfolgs. Kein Wunder, dass auch einige renommierte Firmen auf den fahrenden Zug aufspringen wollen. Unternehmen wie Burger King, Stella Artois oder Virgin Mobile sind bereits Kunden des Comedians. Allein für ein Namedropping soll er Beträge von 6.000 Dollar verlangen.

    Eine Gebrauchsanweisung fürs Leben

    Im Herbst 2015 gab The Fat Jewish sein erstes Buch unter dem Titel Money. Pizza. Respect. heraus. Die Widmung „Lutsch meinen Schwanz, James Joyce. Ich bin jetzt Schriftsteller!“ fasst die Obszönität seines Schreibstils prägnant zusammen. Eigenen Worten zufolge sei das Buch eine Gebrauchsanweisung fürs Leben. „Ich kann dir nicht sagen, was du tun solltest, aber ich kann dir definitiv sagen, was du nicht tun solltest. Ich bin der weltweit führende Experte darin, fragwürdige Entscheidungen zu treffen, und daraus kannst du viel lernen. Lass dich von meiner Dummheit inspirieren. Ich bin wie Gandhis versauter Bruder mit einem kontrollierbaren Koksproblem!“, äußert sich der Autor über sein Werk.

    Ostrovsky baut einen großen Teil seines Humors auf seine jüdische Herkunft auf und scheut sich auch nicht Gott und die jüdische Religion in seine Witze hineinzuziehen. „Als Jude darf man bestimmte Sachen nicht essen, aber Gott, sei kein fucking Hater. Klar sollte ich nicht Schweinefleisch auf mein Gesicht schütten, aber hast du es mal gekostet? Ich bin vielleicht jüdisch, aber das ist fucking Amerika. Gott will vielleicht nicht, dass ich Peperoni esse, aber George Washington wollte es sicherlich. Dieser Mann hat dafür gekämpft, dass ich Peperoni essen kann, zum Frühstück, zum Mittag- und zum Abendessen“, sagt er in einem Interview.

    Für The Fat Jewish sind wohl wirklich nur wenige Sachen heilig. – Drei auf jeden Fall: Money, Pizza und Respect.

    Samuel Mago

    Samuel Mago

    Der Linguistik-Stundent ist in Budapest geboren und hat jüdische und Roma Wurzeln. Er ist freier Journalist und engagiert sich als Roma-Aktivist im Verein Romano Centro.
    Samuel Mago

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