Jüdisches Magazin für Politik und Kultur

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  • ausgabe:  Rafael Kishon | Nr. 63 (01/2016) - Nissan 5776
  • Medienprojekte erfolgreich gestalten

    Die Europäische Janusz Korczak-Akademie hat einen anregenden Lehrgang im Internet geschaffen, der jungen jüdischen Erwachsenen zeigt, wie sie ihre Stimme in der Öffentlichkeit hörbar machen können. Peter Menasse war bei der Vorstellung im Münchner Presseklub.

     

    Deutschland ist anders. Seit dem Zerfall der Sowjetunion und der deutschen Wiedervereinigung hat sich die Zahl der hier lebenden Juden vervielfacht. In den späten 1980er-Jahren war es noch höchst unsicher, ob es auf Dauer jüdisches Leben in Deutschland geben würde. Die Zahl der in Gemeinden Organisierten war unter 30.000 gefallen. Dann aber gelang es, dank intensiver Bemühungen des Zentralrats der Juden, viele aus Russland stammende Menschen ins Land zu holen. Heute sind in den 23 Landesverbänden mit 108 jüdischen Gemeinden rund 100.500 Mitglieder organisiert. Insgesamt sollen rund 250.000 Juden in Deutschland leben, rechnet man jene hinzu, die keiner Gemeinde beitreten wollen. Deutschland gilt heute als das Land mit der weltweit am schnellsten wachsenden jüdischen Bevölkerung.

    Wir haben keine Chance, nutzen wir sie

    Deutschland ist anders. Bei einer Veranstaltung der „Europäischen Janusz Korczak-Akademie“ (EJKA) zu Beginn des Jahres 2016 im Münchner Presseklub drängten sich mehr als hundert Menschen im kleinen Saal – die Mehrzahl von ihnen junge Juden. Es ist also vorhanden, wenn auch kaum in Österreich – das Engagement der jüdischen Jugend und ihr Interesse, ihre Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen.

    Vorgestellt wurde ein neues Projekt, an dem Experten für Medienkunde rund drei Jahre lang gearbeitet hatten – eine Lehrplattform für die jüdische Community. Entstanden sind eine Website und ein elektronisches Handbuch, die alle relevanten Informationen und Erfahrungen darüber enthalten, wie sich jüdische Botschaften an die richtigen Zielgruppen heranbringen lassen.

    Deutschland ist anders. Auch in Österreich stellen wir fest, dass die jüdische Stimme oft nicht gehört wird, vor allem, wenn es um einseitige Angriffe gegen Israel geht. In unserem Nachbarland will man das nicht auf sich beruhen lassen. Die Lehrplattform führt junge jüdische Erwachsene an Themen im Bereich von Medienprojekten heran. Hier sehen sie Fallbeispiele im Printbereich, auf iPhone-Applikationen oder von Ausstellungsprojekten. Sie lernen die vorhandenen Kommunikationskanäle kennen und bekommen Anregungen für eigene Blogs.

    Deutschland ist nicht anders. Überall in Europa sind Juden mit der Frage konfrontiert, wie sich die Zuwanderungswelle aus arabischen Ländern auswirken wird. Kommt eine neue Welle der antijüdischen Angriffe auf uns zu? Auch die rechts- und linksextremen Ausritte an Antisemitismus scheinen zuzunehmen. Es wird immer wichtiger, dass Juden ihre Stimme erheben, nicht um zu klagen und anzuklagen, sondern um selbstbewusst ihre Positionen zu erläutern und aus ihrem Leben zu berichten. In Deutschland wurden die Zeichen der Zeit erkannt, wir hier in Österreich haben immerhin den Vorteil, von der Medienplattform profitieren zu können. Jetzt gilt es, sie zu verwenden – ganz nach dem alten Motto: Wir haben keine Chance, nutzen wir sie.

     

    Die Website „Medienprojekte erfolgreich gestalten: Themen – Methoden – Beispiele. Lehrplattform für die jüdische Community“ wurde von der EJKA mit finanzieller Hilfe der Genesis Philanthropy Group und der Jewish Agency gestaltet. Mehr dazu unter: http://www. ejka.org/de/erfolg-in-medien. Dort kann auch ein elektronisches Handbuch bestellt werden.

    Peter Menasse
    Der NU-Chefredakteur ist selbstständiger Kommunikationsberater und Publizist. Er lebt in Wien und im Burgenland.
    Peter Menasse

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