Jüdisches Magazin für Politik und Kultur

rubriken: Dajgezzen und Chochmezzen
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  • ausgabe:  Pamela Rendi-Wagner | Nr. 68 (02/2017) - Tamus 5777
  • Fröhliche Pippi- Langstrumpf-Politik

    Rainer Nowak und Peter Menasse dajgezzen über das albanische Wappen, die Dreifaltigkeit der Staatsführer und über die Viererkette in der politischen Fußball-Taktik.

    Menasse: Ich muss sagen, ich bin von deinem Büro beeindruckt. Auf der einen Seite der obligate Nitsch, um auf progressiv zu machen, auf der anderen Seite ein Plakat zu „100 Jahre Democrazia Christiana 1848 bis 1948“. Sehe ich da vielleicht eine widersprüchliche Haltung zum Katholizismus?

    Nowak: Das ist kein Jubiläumsplakat, sondern ein Wahlplakat dieser Partei, die im Übrigen schon untergegangen ist. Sie setzt hier 1948 ihren Feind, den Kommunismus, mit der österreichischungarischen Monarchie gleich. Gegen beide soll Italien einen Freiheitskampf führen. Die eigentliche Pointe daran ist, dass die Kampagnenleiter dieser Partei statt des österreichisch-ungarischen Doppeladlers das albanische Wappen erwischt haben.

    Menasse: Ich lese hier auf dem Plakat „Allora contra lo straniero“, also so viel wie: „Auf gegen den Fremden“. Dieser Wahlspruch könnte von der neuen Dreifaltigkeit Kern, Kurz, Strache stammen.

    Nowak: Viel Heiligkeit entdecke ich bei diesen drei Politikern nicht. Bist du eigentlich noch immer ein Kern-Altgroupie?

    Menasse: Also bei dieser Dreifaltigkeit bildet er schon die Spitze des Dreiecks. Aber was soll das ewige Politiker-Kritisieren. Sag mir doch einmal einen Politiker, den du schätzt.

    Nowak: Du wirst lachen, wenn ich an die Dreierkette aus Alt-Django Mitterlehner, müder Glawischnig und eingebunkertem Faymann denke, bin ich bei Kern, Kurz und Lunacek fast euphorisch.

    Menasse: Im modernen Fußball spielt man jetzt mit der Viererkette in der Defensive. Da müssen wir noch wen dazu nehmen.

    Nowak: Stimmt, nehmen wir Strolz, der würde auch nackt spielen, wenn sie ihn nur mitmachen ließen.

    Menasse: Ich denke eher, dass die Blauen ein Leiberl bekommen. Wobei mir auffällt, dass Strache sich zurücknimmt und Kickl schwadroniert. Gedacht hat Kickl ja immer schon für ihn, aber jetzt lässt er Strache auch nicht mehr reden.

    Nowak: Strache ist einfach mit seiner neuen Brille vollauf beschäftigt.

    Menasse: Die Menschen reden jetzt dauernd über die kommenden Wahlen – und jeder weiß heute schon das Ergebnis. Wie siehst du das?

    Nowak: Ich bin da anders. Ich weiß es nicht. Amüsant ist nur, dass aus heutiger Sicht von allen Parteien die FPÖ die besten Chancen hat, der nächsten Regierung anzugehören. Anders formuliert: Nachdem wir uns jahrzehntelang darüber unterhalten haben, welcher Politiker diese Partei stoppen könnte, haben wir nun zwei, die das könnten, aber um die Gunst der FPÖ buhlen.

    Menasse: Ich fürchte mich ohnehin schon so sehr. Regierungen mit FPÖ- Beteiligung kommen uns Steuerzahler immer so teuer. Ach, gäbe es nur Alternativen.

    Nowak: Sei nicht so ängstlich, alter Mann. Mit Ingrid Felipe und Martin Strolz haben wir endlich zwei Politiker, die fachgerecht Bäume umarmen können und für fröhliche Pippi-Langstrumpf- Politik stehen.

    Menasse: Mach mir nur Pippi nicht schlecht, sie ist urstark und klug. Überall tauchen jetzt Namenswitze mit Kern und Kurz auf. Das ist zu trivial. Mir würde imponieren, wenn jemand so was auch mit Strache, Strolz, Sobotka oder Felipe schaffte.

    Nowak: Letztere geht natürlich mit dem spanischen Königshaus. Und im Übrigen bist du ein antidemokratischer, fast miniatur-faschistischer Ignorant. Du hast Herrn Lugar vom Team Stronach vergessen.

    Menasse: Stronach hat bei mir längst ausgedient. Er ist sogar daran zerbrochen, den österreichischen Fußball zu zerstören, obwohl er sich heftig bemüht hat. Lugar läuft unter meiner Wahrnehmungsschwelle. Ich bin nicht für den Schutz aller Minderheiten zuständig.

    Nowak: Als nächstes fürchtest du dich sicher, dass Mateschitz die Vienna und den Wiener Sportklub übernimmt, fusioniert und in die australische Premier League bringen will. Sei doch froh, wenn alte Männer ihr Geld verprassen. Würdest du doch auch gern.

    Menasse: Mateschitz ist im Fußball wenigstens mega-erfolgreich. Übrigens, hast du noch kein Angebot von seiner neuen Internet-Wahrheitsplattform „Quo vadis veritas“, oder nimmt er nur erfolgreiche Presse-Chefredakteure wie Michael Fleischhacker an Bord?

    Nowak: Das ist mir zu schmal. Im Netz muss man groß denken. Ich überlege, die Plattform „In vino veritas“ zu gründen, als Chefredakteur werde ich Michael Jeannée an Bord holen.

    Menasse: Das wäre wirklich super, weil dir dann so viele Menschen dankbar wären, dass sie dieser Mensch nicht mehr pausenlos aufs Gemeinste anschüttet. Aber verrate das bitte nicht, sonst nimmt er mich auch noch in die Mangel.

    Nowak: Du bist schon wieder so ernst. Angeschüttet werden kann auch ganz lustig sein, Hauptsache, dein Name ist richtig geschrieben.

    Menasse: Also ich weiß schon, dass man deinen Namen mit „v“ schreibt.

    Nowak: Und Rainer mit „ei“.

     

    Dajgezzen: sich auf hohem Niveau Sorgen machen; chochmezzen: alles so verkomplizieren, dass niemand – einschließlich seiner selbst – sich mehr auskennt.

    Rainer Nowak

    Rainer Nowak

    Chefredakteur at Die Presse
    Der Herausgeber und Chefredakteur der Tageszeitung Die Presse ist ständiger NU-Mitarbeiter.
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    Peter Menasse
    Der NU-Chefredakteur ist selbstständiger Kommunikationsberater und Publizist. Er lebt in Wien und im Burgenland.
    Peter Menasse

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