Jüdisches Magazin für Politik und Kultur

rubriken: Zeitgeschichte
  • SCHLAGWöRTer: ,
  • ausgabe:  Sebastian Kurz | Nr. 57 (3/2014) - Elul 5774 / Tischri 5775
  • Der verbrannte Friedensnobelpreisträger

    Das Bezirksmuseum Alsergrund arbeitet daran, die Erinnerung an Friedensnobelpreisträger Alfred Hermann Fried wieder aufleben zu lassen.
    VON DAVID BOROCHOV

    Würde man auf der Straße Passanten nach österreichischen FriedensnobelpreisträgerInnen fragen, ist ein Name jedenfalls nie weit: Bertha von Suttner. Und das natürlich zu recht. Jedoch wissen nur wenige, dass es auch einen anderen österreichischen Träger dieses Titels gibt: Alfred Hermann Fried. Er erhielt ihn im Jahr 1911, unter anderem aufgrund seiner pazifistischen Zeitschrift Die Waffen nieder!.

    Sein Weg dahin, das darauffolgende Verbrennen seiner Werke und das Vergessen seiner Person wird erst Jahrzehnte später wieder aufgearbeitet.

    Angefangen hat sein pazifistischer Weg im Alter von 17 Jahren, als er eine Ausstellung des russischen Malers Wassilij Wereschtschagin besuchte und die Absurdität der Gemälde ihn zutiefst bewegte. In seinen Memoiren heißt es hierzu sinngemäß: „Als ich die Ausstellung verließ, gehörte ich einer Ideologie an, für die es zum damaligen Zeitpunkt nicht einmal einen Namen gab.“

    Er brach die Schule ab, wurde Buchhändler und später Journalist und aktiver Pazifist. Etwa zu der Zeit lernte er Bertha von Suttner kennen und arbeitete eng mit ihr zusammen, aber auch privat waren sie gute Freunde. Umso verwunderlicher scheint unter diesen Umständen, wieso sie sich bei seiner Nominierung für den Friedensnobelpreis gegen ihn stellte. Eine logische Begründung ist nicht bekannt, Historiker vermuten, dass sie einfach eine Diva war.

    Ein Jahr darauf, im Jahr 1911, erkannte Fried bereits die Spannungen, die zum Zerfall der europäischen Staatenordnung führen würden. Trotzdem war er entschlossen, im September 1914 zu einer internationalen Friedenskonferenz mit hochkarätigen Gästen einzuladen. Als Kaiser Franz Josef dann den Krieg erklärte, musste sie abgesagt werden, was für Fried eine Katastrophe war, die er nicht vergessen konnte.

    Seine Zeitschrift Friedens-Warte wurde in Deutschland und Österreich- Ungarn verboten, er wurde zur unerwünschten Person erklärt und wanderte in die Schweiz aus. Diese gesamte Reise dokumentiert er in seinen Kriegstagebüchern. Während er in den ersten beiden Kriegsjahren sicher war, dass Europa einen vernichtenden Krieg brauche, um einzusehen, dass nur die Vereinigten Staaten von Europa bestehen könnten, wusste er bereits 1916, dass ein Zweiter Weltkrieg stattfinden würde. Den Versailler Friedensvertrag sah er mehr als kritisch.

    Nach dem Krieg kehrte er nach Wien zurück, zog in das Gartenhaus eines guten Freundes im 17. Bezirk. Bald darauf bekam er eine Lungenentzündung, die er nicht mehr überstand. In den nachfolgenden Jahren wurden seine Werke verbrannt, vor allem durch die Nazis: er war Jude, Pazifist und Freimaurer.

    Bis zum 18. Oktober kann man die Ausstellung über Alfred Hermann Fried im Bezirksmuseum Alsergrund besuchen.

    Öffnungszeiten BM Alsergrund:
    Montag bis Mittwoch: 10:00-12:00 Uhr und 14:00-16:00 Uhr
    Samstag: 14:00-16:00 Uhr

    www.bezirksmuseum.at
    www.friedensnews.at

    David Borochov

    David Borochov

    ist Student in Wien und schreibt neben verschiedensten anderen Tätigkeiten gelegentlich Texte für NU.
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