Jüdisches Magazin für Politik und Kultur

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  • ausgabe:  Erwin Steinhauer | Nr. 67 (01/2017) – Adar/Nissan 5777
  • Der Kampfflieger der Zukunft

    Das Tarnkappen-Mehrzweckflugzeug F-35 ist der modernste Flieger der Welt.
    VON RENÉ WACHTEL

    © GUO YU XINHUA/EYEVINE/PICTUREDESK.COM

     

    Alle waren sie da, nur die Hauptdarsteller verspäteten sich. Am 12. Dezember 2016 waren die Spitzen des Staates Israel zum Militärflughafen Nevatim bei Beer-Sheva gepilgert. Staatspräsident Reuven Rivlin, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, die gesamte Führung der israelischen Verteidigungsstreitkräfte, unzählige Militärattachés befreundeter Länder und auch der damalige Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten von Amerika, Ashton Carter, waren gekommen. Die Ehrengäste aber, die ersten zwei Tarnkappen- Mehrzweckkampflugzeuge „F-35 I Adir“ (auf Deutsch „großartig“) aus den USA, hatten wegen Nebels in Italien nicht rechtzeitig starten können, um ihre neue Heimbasis in Israel zu erreichen.

    Als der israelische Präsident Rivlin schließlich die Hoheitsinsignien von Israel auf den beiden Flugzeugen anbrachte, brandete Jubel auf. Die fünfte Generation israelischer Kampflugzeuge konnte in Verwendung genommen werden. Israel ist das erste Land außerhalb der USA, das diese Kampflugzeuge besitzt. Ein Meilenstein für die „Israel Defense Force“ und für den Staat Israel.

    Einsatz israelischer Technologie

    Das Tarnkappen-Mehrzweckflugzeug vom Typ F-35 ist der modernste Flieger der Welt. Sein Erstflug fand im Dezember 2006 statt. Seit dem Jahr 2011 läuft die Serienproduktion für die US-Luftwaffe. Das Besondere an diesem Flugzeug sind seine einzigartigen Tarnkappeneigenschaften, welche im Vergleich zu bisherigen Kampfflugzeugen (wie F-15 und F-16) die Erkennbarkeit durch feindliches Radar auf einen Bruchteil reduzieren. Das war auch einer der wichtigsten Gründe, warum Israel sich für den Kauf der F-35 entschied. Wegen der aktuellen Bedrohungen des Staates Israel braucht das Land Kampfflugzeuge mit großer Reichweite, die imstande sind, angreifende gegnerische Lenkwaffen zu neutralisieren. Federführend bei den Verhandlungen mit den USA im Jahr 2010 war der damalige israelische Verteidigungsminister Ehud Barak. In einem ersten Schritt wollte Israel zwei Flugstaffeln mit insgesamt 33 F-35-Maschinen aufstellen. Im Laufe der Verhandlungen wurde noch ein Vertrag über die Beschaffung von zusätzlichen 17 Maschinen für eine dritte Staffel vereinbart. Somit wird Israel insgesamt 50 Flugzeuge der Serie F-35 A besitzen.

    Einer der wichtigsten Punkte in den Verhandlungen mit den USA und Lockheed Martin (dem Produzenten dieses Flugzeuges) war, dass Israel in seinen F-35 auch israelische Technologie einbauen und einsetzen darf. Dies war ein Knackpunkt bei den Verhandlungen, denn die USA beharrten lange Zeit auf dem Standpunkt, dass an den Maschinen keinerlei Veränderungen vorgenommen werden dürfen. Hier konnte sich aber der israelische Standpunkt durchsetzen, und die USA erlaubte schließlich den Einsatz israelischer Technologie. Sollte die USA auch arabische Staaten mit Kampflugzeuge des Typs F-35 ausstatten (z.B. hat auch Saudi-Arabien F-16 Kampfflieger), soll die israelische Überlegenheit in der Luft dank der eigenen überlegenen Technologie an Bord weiterbestehen. Der Einbau eigener israelischer Kommunikations- und Kontrollsysteme erlaubt die technologische Verbindung mit allen Einrichtungen der israelischen Streitkräfte in kürzester Zeit. Ein spezielles elektronisches Kampfführungssystem, eigene Waffen- und Raketensysteme und auch die Außenflügel (entwickelt von Israel Aerospace Industries) kommen aus Israel. Neben einem eigenen, komplett neuentwickelten Helmsystem für die F-35 I plant Israel auch die Entwicklung einer zweisitzigen Version.

    Überlegenheit der „Großartigen“

    Auch bei der Wartung der drei Staffeln F-35 I macht sich Israel eigenständig. Das Angebot des Herstellers Lockheed Martin, in Israel ein Wartungszentrum aufzubauen, wurde abgelehnt. In einem eigenen Trainingssystem wird in besonderem Maße auf die Arbeit in Simulatoren gesetzt. Damit sollen die Kosten für Test- und Wartungsflüge verringert werden, sodass die Arbeit mit den Piloten für den Kampfeinsatz ausgiebig geübt werden kann.

    Die ersten zwei F-35 I sind im Dezember 2016 auf ihrem Stützpunkt gelandet. Bis Ende 2017 soll die erste F-35-Staffel voll einsatzfähig sein. Damit wird eine Aussage von Israels ehemaligem Verteidigungsminister Ehud Barak Wirklichkeit: „Die F-35 I ist das Kampfflugzeug der Zukunft und erlaubt Israel, seinen Vorsprung in Technologie und Luftüberlegenheit in der Region beizubehalten. Die F-35 I Adir gibt den israelischen Luftstreitkräften eine größere Überlegenheit in Nah und Fern und hilft die Sicherheit des Staates Israel zu gewährleisten.“

     

    Fünf Meilensteine in der militärischen Flugzeugbeschaffung seit der Gründung des Staates Israel:

    1. Generation: 1948/1949 die ersten Kampfflugzeuge Avia S-199 (ehemalige Messerschmitt 109 aus tschechischer Produktion), die Spitfire aus England und die Mustang aus den USA
    2. Generation: die ersten Düsenkampfflugzeuge Dassault Ouragan und Gloster Meteor Mitte der 1950er-Jahre
    3. Generation: die Flugzeuge der 1960er- und 1970er-Jahre Mirage III und Phantom F-4
    4. Generation: die Mehrzweckkampflugzeuge F-15 und F-16
    5. Generation: die F-35 I Adir

     

    René Wachtel

    René Wachtel

    lebt in Wien und ist Kultusrat für CHAJ-Jüdisches Leben in der IKG.
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