Jüdisches Magazin für Politik und Kultur

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  • ausgabe:  Die Krise in Israel | Nr. 07 (1/2002) - Adar 5762
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    Auch heuer werden wieder hunderte jüdische Jugendliche aus ganz Europa am 12. Mai im Wiener Rathaus eine rauschende Ballnacht feiern – und schöne Erinnerungen und vielleicht die eine oder andere Bekanntschaft mit nach Hause nehmen.
    Von Barbara Tóth

    Manche Dinge sind Fremden nicht so einfach zu erklären. Am Telefon sagt Dana Teichner deshalb meistens, sie ist Vegetarierin, wenn es um die Auswahl eines Essenslokals geht. Im Restaurant stellt sich dann heraus, dass sie koscher isst. Dana isst nicht nur koscher, sie hält auch die jüdischen Feiertage ein – und sie ist eine Frau, die von sich sagt, dass sie ein jüdisches Leben mit einem gleichgesinnten Partner führen will – auch, wenn das manchmal schwierig ist.

    Auf der Universität etwa, wo die studierte Wirtschaftswissenschafterin nicht einmal auf Verständnislosigkeit gestoßen ist, wenn es galt, Prüfungstermine nicht am Samstag vormittag anzusetzen. Oder in Wien, wo sich die 27jährige, die heute in London lebt, “irrsinnig eingeschränkt” fühlte: “In meiner Klasse waren wir zwölf Juden, in der Jugendbewegung Bne Akiba dreißig, auf der Universität drei – am Ende kennt jeder einfach jeden.”

    Die Erfahrung, in einer kleinen und überschaubaren jüdischen Gemeinschaft aufzuwachsen, inspirierte Dana Teichner auch zu dem Projekt, das mittlerweile zu ihrem Beruf geworden ist.

    Seit drei Jahren organisiert sie gemeinsam mit ihrer Partnerin Ariella Glück Veranstaltungen für Juden in ihrem Alter. Es sind keine Semin a re oder Kongresse mit langen Reden, denn davon gibt es ohnehin genug, sondern Tre ffen, “die Spaß machen sollen.”

    So wird heuer am 12. Mai im Wiener Rathaus zum dritten Mal der “Jewish European Ball” stattfinden – über 500 Jugendliche aus ganz Europa verbringen auf Einladung des Jewish Welcome Service ein ganzes Wochenende in Wien, feiern gemeinsam Shabbat, besichtigen die Stadt und genießen – als Höhepunkt – Sonntagabend eine rauschende Ballnacht.

    Im Sommer lädt “absolut-events”, wie die gemeinsame Firma von Teichner und Glück heißt, ebenfalls zum dritten Mal zum “Jewish Beach Club” nach Marbella, Spanien. Das Motto ist bei allen Veranstaltungen das gleiche: Es geht darum, länderübergreifende Freundschaften zu stiften und Kontakte zu knüpfen – und vielleicht auch einen Lebenspartner zu finden. Schließlich sind achtzig Prozent der Ballbesucher, die im Mai nach Wien kommen, Singles. Teichners Konzept scheint zu funktionieren : Heuer veranstaltet sie erstmals auch einen “Jewish Families Club” auf Marbella – denn aus den Ballsingles von einst ist inzwischen die eine oder andere glückliche Jungfamilie geworden.

    Weitere Informationen zum Ball wie zum Sommer-camp finden sich unter: www.absolut-events.com.

    Barbara Tóth

    Barbara Tóth

    ist promovierte Historikerin, Buchautorin und Leiterin des Politik-Ressorts der Wiener Stadtzeitung Falter.
    Barbara Tóth

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